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Angst vor der Rede? – Yes, we can help you!

von Stefan Del Fabro
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Für viele im Verein ist das der Horror: Der Präsident bittet dich, eine Präsentation zu übernehmen. Hast du Angst vor einer Rede? Am liebsten würdest du dich ins nächste Mauseloch verkriechen? Das musst du nicht, weil noch kein Reden-Meister vom Himmel gefallen ist. Es gibt einfache Tipps gegen Reden-Angst oder Lampenfieber, auch für dich und deinen Auftritt in deinem Verein. 

Der Schoggi-Blocher

Die Ära Obama begann mit einer berühmten Rede.

Politisch muss man mit Christoph Blocher nicht einverstanden sein. Aber seine Art aufzutreten, fasziniert. Als er noch jünger war, übte Blocher seine Reden vor Kindern. Er wies sie an, ihn sofort zu unterbrechen, wenn sie ihn nicht verstanden hätten. Als Belohnung gab es ein Stück Schokolade.

Die besten Beispiele für erinnerungswürdige Reden oder Kernsätze stammen aus der Politik. Neben dem erwähnten Blocher ist es das berühmte Obama-«Yes, we can» oder das legendäre «Ik bin ein Berliner» von John F. Kennedy.

Blut, Mühsal und Schweiss

Grosse weltpolitische Konflikte brachten grosse Reden und Redner hervor. Winston Churchill rief im Zweiten Weltkrieg: «Ich habe nichts anzubieten als Blut, Mühsal, Tränen und Schweiss». Der französische General Charles de Gaulle wurde pathetisch als er sagte: «Hinter einer Wolke voller Blut und Tränen erscheint die Sonne unserer Grösse wieder.»

Bauern im Herzen

Die Schweiz blieb politisch verschont von den ganz grossen Krisen (abgesehen von Corona). Der Historiker Professor Urs Bitterli hat herausgefunden, dass sich das sogar auf die Schweizer Rhetorik auswirkt. «Die Kunst der freien Rede gehört nicht zu den Stärken der Deutschschweizer», so Bitterli und begründet: „Im Herzen sind wir Bauern geblieben.“

Wir Schweizer dürfen uns also nicht wundern, gibt es bei uns kaum Obamas oder Churchills und nur selten Blochers (was das Reden betrifft). Aber da in unserem kleinen Land mit seinen vielen Vereinen (etwa 100’000) oft Reden gehalten werden, lohnt es sich auch für dich, sich Gedanken zu machen.

Plötzlich vor Publikum? Einige einfache Tipps helfen gegen Lampenfieber.

Yes, we can help you

In jedem Verein wird nicht nur geredet, nein, es werden viele Reden gehalten. An der Jahresversammlung oder an der Vorstandssitzung und in Arbeitsgruppen. Solange du zuhören kannst, bist du sicher. Sobald du selber vorne stehst, verändert sich deine Wahrnehmung. Hast du Angst vor einer Rede? Ein paar Tricks helfen und wir zeigen dir, wie du ideal durch deinen Vortrag kommst:

Nimm Kontakt auf
Wenn du vor dein Publikum trittst, ist es egal, ob da 3 oder 300 Nasen sitzen. Schau die Leute an. Nimm Sichtkontakt auf, signalisiere, ich bin da. Du wirst bemerken, dass dir so manch wohlwollendes Gesicht entgegenblickt. Das tut gut. Lächle. Sei freundlich.

Nimm das Publikum ernst
Formuliere keine Schachtelsätze mit 13 Kommas. Erstens kann das nur Dürrenmatt. Zweitens verlierst du selber den Faden und drittens verliert das Publikum das Interesse. Du signalisierst subtil, dass dir die Leute egal sind und du zur Hölle so schnell wie möglich hier raus willst. 

Nimm Hilfswörter
Metaphern helfen. Baue sprachliche Brücken. Zitate lockern auf. Sei emotional. Denk an Angela Merkels «Wir schaffen das» oder Ogis „Freude herrscht“. Diese Evergreens haben gezündet, weil ein emotionaler Kern enthalten war. 

Nimm kein Blatt vor den Mund
Du bist Kassier und musst den Mitgliedern mitteilen, dass das Vereinsjahr mit einem Defizit endet? Da hilft alles «Um den heissen Brei reden» nichts – beschönige nicht. Gib auch eigene Fehler zu. Beschuldige niemanden. Zumal wenn der/die nicht anwesend ist. 

Nimm Mark Twain zum Vorbild
Der «Tom Sawyer und Huckleberry Finn»-Autor war nicht nur für seine Bücher und Geschichten, sondern auch für so manches Bonmot berühmt. Zum Thema «Rede» hatte Mark Twain eine simple Faustregel:

  • guter Anfang
  • gutes Ende
  • möglichst wenig dazwischen
Das verflixte Lampenfieber

Selbst berühmte Schauspieler oder Redner kennen das nervöse Zittern, bevor sich der Vorhang öffnet. Darum gibt es auch nicht das Rezept gegen Lampenfieber. Aber auch hier gilt; mit einigen Kniffs kannst du die Temperatur zumindest senken: 

  • bereite dich vor
  • sei pünktlich
  • trink Wasser (ja, auch während deiner Rede)
  • hilf dir mit Spickzetteln
  • Atme!! Atme!! Atme!!
Kopfhörer rein – Nervosität raus

Oder lass dich vom „Über den Wolken“-Sänger Reinhard Mey inspirieren. Das Lampenfieber bleibt sein Begleiter, sagt er. Dennoch tritt er dann locker vor sein Publikum. 

Musik als Vorbereitung ist übrigens auch immer gut. Kopfhörer rein, Lieblingsmusik an, Nervosität raus. 

Erkenntnis des Tages

Eine Rede schafft es im besten Fall, eine Veränderung herbeizuführen und im schlechteren ist sie wenigstens nicht langweilig. Egal ob du spontan einspringst oder es im Voraus weisst; eine Rede zu halten ist immer eine Herausforderung.

Nun wünschen wir dir toi toi toi vor deiner nächsten Präsentation. Oder: Hast Du Angst vor einer Rede? Was sind deine Erfahrungen? Teil sie uns mit.

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